In der Kirche St. Johannes am Friedensplatz sind großformatige Portraitfotos von Florian Weber zu sehen.
Viel und kontrovers wird über die sogenannte Drogen-Szene vom Helmut-Haller-Platz diskutiert. Oftmals geht es um »die Süchtigen« als anonyme, gesichtslose Gruppe. Es wird viel über sie als Stein des Anstoßes gesprochen, aber kaum mit ihnen. Das war der Anlass für Florian Weber, auf die Suche zu gehen nach diesen Menschen, sie vor seine Kamera zu bitten und ihnen ein Gesicht zu geben. Nach Besuchen am Helmut-Haller-Platz und im beTreff wuchs mit der Unterstützung von Kati Wimmer das Foto-Projekt. Aus der anonymen Gruppe »der Süchtigen« wurden einzelne Persönlichkeiten, die ihr gegenüber auffordern: »Schau mich an!«
Die in der Ausstellung gezeigten Portrait-Aufnahmen entstanden mit einer analogen Großformatkamera. Die besondere und außergewöhnliche Art des Fotografierens lässt eine ganz eigene Atmosphäre am »Set« entstehen. Für jedes einzelne Bild muss zunächst die Kassette mit dem Film eingelegt werden. Anderes als bei der Handyfotografie kann man das Bild nicht sogleich betrachten. Vielmehr wird der Film in der Dunkelkammer entwickelt, dann digitalisiert und ein Abzug davon hergestellt. Die Einstellung beim Fotografieren kann zeitaufwändig sein und die Ausrüstung hat ordentlich Gewicht. Dieser Aufwand lohnt sich jedoch für Florian Weber. Die Größe der Negative, die geringe Tiefenschärfe und das verwendete Schwarzweiß-Filmmaterial verleihen den Fotografien eine eigene Dynamik. Das Ergebnis sind Bilder von Menschen mit Würde, manche mit fröhlichem Ausdruck, manche gezeichnet durch Drogen und schwierige Lebensumstände. Die Aufnahmen vermitteln ein Mitgefühl des Fotografen: »Ich bin dankbar, dass mein Lebensweg anders verlaufen ist!«
Ganz bewusst ist die St. Johanneskirche als Ausstellungort ausgewählt. »Die Menschen, die hier bei uns einmal Hilfe finden werden, sollen durch die Ausstellung jetzt schon ankommen können«, so Pfarrerin Snewit Aujezdsky. Ganz bewusst ist auch die Nähe zur Weihnachtszeit und zur Weihnachtskrippe gewählt. Im Lukasevangelium sind es Hirten, denen Christi Geburt als erstes verkündigt wird. Vieh-Hirten waren in der damaligen Zeit eine sozial und religiös randständige Gruppierung, verrufen als nach Tieren stinkendes Gesindel, die die religiösen Gebote nicht befolgten. Ihnen schlug Misstrauen und Verachtung entgegen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Februar 2025 immer freitags von 16:30 bis 18 Uhr geöffnet.

